Resilienz Initiative
Anleitung und Hintergrund
Entdecken Sie die Spielregeln, die Forschung dahinter und alle 30 Emotionsfiguren.
Das Spiel
Spielidee
Gefühlsblitz besteht aus 25 Karten mit je 6 Emotionsfiguren. Zwei beliebige Karten haben immer genau eine Figur gemeinsam. Finden Sie diese Figur auf Ihrer Karte und der Mittelkarte.
Es spielen 2 bis 6 Personen, jede an ihrem eigenen Gerät: Handy, Tablet oder Laptop. Sie können im selben Raum oder per Videokonferenz miteinander spielen.
Schritt für Schritt
Ablauf
- Eine Person eröffnet einen Raum und teilt den vierstelligen Code.
- Die anderen treten mit Namen und Code bei.
- Die Gastgeberin oder der Gastgeber startet die Partie. Alle sehen die Mittelkarte und die eigene Karte.
- Wer zuerst auf der eigenen Karte die Figur antippt, die auf beiden Karten liegt, gewinnt die Mittelkarte. Danach zeigt das Spiel allen kurz den Namen des Gefühls. Ein Fehltipp sperrt die eigene Karte für zwei Sekunden.
- Sind alle Karten vergeben, zeigt das Spiel die Rangliste. „Nochmal“ öffnet den Raum für die nächste Partie.
Gemeinsam spielen
Einsatz in Gruppen und Trainings
Kurze Runden von 3 bis 5 Minuten eignen sich als Einstieg oder Pausenfüller. Nach der Partie können Sie gemeinsam ins Gespräch kommen:
- Welche Gefühle habe ich schnell erkannt, welche nicht?
- Welche Figuren haben mich überrascht?
Als Variante nennt nach jedem Treffer die Gewinnerin oder der Gewinner eine Situation, in der dieses Gefühl zuletzt spürbar war.
Bei einem Verbindungsabbruch bleibt Ihr Sitz zehn Minuten reserviert. Laden Sie die Seite neu, um ins Spiel zurückzukehren.
Forschung und Einordnung
Wissenschaftlicher Hintergrund
Warum ein Kartenspiel etwas mit Gefühlen zu tun hat
Stellen Sie sich vor, Sie halten sechs Dinge gleichzeitig im Kopf und suchen darunter blitzschnell das eine, das passt. Genau das tut Ihr Gehirn bei Gefühlsblitz. Den Teil des Gedächtnisses, der so etwas leistet, nennt die Forschung Arbeitsgedächtnis. Es ist eine Art Arbeitsfläche im Kopf: Was gerade wichtig ist, liegt dort bereit, wird verglichen und sortiert.
Ein starkes Arbeitsgedächtnis hilft auch im Umgang mit Stress. In einer Studie führten Menschen sechs Tage lang Tagebuch darüber, was sie ärgerte und wie sie sich dabei fühlten. Wer eine leistungsfähigere Arbeitsfläche im Kopf hatte, reagierte auf dieselben Ärgernisse mit weniger schlechter Stimmung (Garrison und Schmeichel, 2022).
Lässt sich das trainieren?
Eine Forschungsgruppe aus Großbritannien und Kanada ließ Erwachsene 20 Tage lang jeden Tag eine Übung am Bildschirm machen. Dabei erschienen Gesichter mit Gefühlsausdrücken und Gefühlswörter, und die Teilnehmenden mussten sich merken, was kurz zuvor an derselben Stelle zu sehen war. Nach den 20 Tagen fiel ihnen die Übung leichter. Zugleich fühlten sie sich weniger belastet, wenn sie unangenehme Filmszenen sahen, und konnten ihre Gefühle dabei besser beruhigen. Im Hirnscanner war der Bereich, der die Arbeitsfläche steuert (Fachleute nennen ihn das frontoparietale Netzwerk), aktiver als vorher, und die Alarmzentrale des Gehirns blieb ruhiger (Schweizer, Hampshire und Dalgleish, 2011; Schweizer et al., 2013).
Ähnliches zeigte sich bei Jugendlichen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Nach einem solchen Training griffen sie eher zu hilfreichen Gedanken wie „Ich nehme es an“ oder „Was kann ich daraus lernen?“ und grübelten weniger (Schweizer et al., 2017). Bei Soldaten mit Belastungssymptomen besserten sich in einer kleinen Vorstudie nach 15 kurzen Einheiten die Beschwerden bei 73 Prozent, in der Vergleichsgruppe mit einer leichteren Übung bei 60 Prozent. Mit nur 21 Teilnehmenden ist das ein erster Hinweis, mehr nicht (Larsen et al., 2019). Inzwischen vermuten Forschende, dass das Arbeitsgedächtnis einen eigenen Bereich für Gefühle hat (Mikels und Reuter-Lorenz, 2019).
Was das mit Gefühlsblitz zu tun hat
Aus diesen Studien lassen sich zwei Zutaten ablesen, die ein Training des Gefühls-Gedächtnisses braucht: Es muss die Arbeitsfläche im Kopf fordern, und es muss mit Gefühlen arbeiten. Gefühlsblitz hat beides. Sie halten sechs Figuren gleichzeitig im Blick, vergleichen sie unter Zeitdruck mit sechs anderen und sehen danach den Namen des Gefühls.
Eines muss dabei klar sein: Gefühlsblitz selbst wurde nicht wissenschaftlich untersucht. Die Studien oben haben Trainingsprogramme mit festen Zeiten über mehrere Wochen geprüft. Das Spiel überträgt deren Idee in eine Gruppenrunde. Es eignet sich als spielerische Ergänzung in Trainings, Teams und im Coaching. Eine Therapie oder ein regelmäßiges Training ersetzt es nicht.
Quellen
- Aldao, A., & Nolen-Hoeksema, S. (2010). Specificity of cognitive emotion regulation strategies: A transdiagnostic examination. Behaviour Research and Therapy, 48(10), 974–983.
- Garrison, K. E., & Schmeichel, B. J. (2022). Getting over it: Working memory capacity and affective responses to stressful events in daily life. Emotion, 22(3), 418–429.
- Larsen, S. E., Lotfi, S., Bennett, K. P., Larson, C. L., Dean-Bernhoft, C., & Lee, H.-J. (2019). A pilot randomized trial of a dual n-back emotional working memory training program for veterans with elevated PTSD symptoms. Psychiatry Research, 275, 261–268.
- Mikels, J. A., & Reuter-Lorenz, P. A. (2019). Affective working memory: An integrative psychological construct. Perspectives on Psychological Science, 14(4), 543–559.
- Schweizer, S., Hampshire, A., & Dalgleish, T. (2011). Extending brain-training to the affective domain: Increasing cognitive and affective executive control through emotional working memory training. PLoS ONE, 6(9), e24372.
- Schweizer, S., Grahn, J., Hampshire, A., Mobbs, D., & Dalgleish, T. (2013). Training the emotional brain: Improving affective control through emotional working memory training. Journal of Neuroscience, 33(12), 5301–5311.
- Schweizer, S., Samimi, Z., Hasani, J., Moradi, A., Mirdoraghi, F., & Khaleghi, M. (2017). Improving cognitive control in adolescents with post-traumatic stress disorder (PTSD). Behaviour Research and Therapy, 93, 88–94.
Alle Figuren
Emotionsübersicht
Zum Spielprinzip
Markenhinweis
Das Spielprinzip folgt bekannten Symbol-Suchspielen. „Dobble“ ist eine eingetragene Marke der Asmodee Group. Gefühlsblitz ist ein eigenständiges Trainingsspiel der Resilienz Initiative und steht in keiner Verbindung zu Asmodee.